Wanderungen im Darkweb & Urbi et Orbi et Internet

Es ist dies eine Nacht.

Mirjam trottet an ihr personalisiertes Internet-Loch und stürzt sich hinein.

Tentakel von Suchmaschinen strecken ihr nach, bekommen sie nicht zu fassen, wie sie so drinsteckt in ihrem Kleid aus Software…

 1.11.13

Dunkelheit mit Monitorfleck und Flamme. Flamme löschen. Aufziehen der Spritze, langsam und ehrfurchtsvoll das leuchtende Heroin in die IP-Adresse injizieren. Online. Eingehakt ins Welttrauma. Schunkelstimmung. Herbst draussen. Sehe das am Regen, den Apfelbäumen und da ist das Kreischen der Kraehen puenktlich zum Welttraumatag des 17. Oktober mit Werbepopup. We care of prehospital trauma patients – global trends in trauma care – internationally recognized experts.   Ihr solltet mich mal sehen am Ende eines Tages. Like Artaud coming out of some heavy heart-of-darkness trip, overloaded on the information, the input! The input!  Bettlegrig, Performance hinter geschlossenen Lidern. Lichter durchrasen innere Gesichtsschale. Detonationen. Flakfeuer. Innere Gesichtsschale zerrinnt. Schmilzt. Weg. Brandbombengeflickerflicker wo ich wohne, schnell runter in meinen Bombenkeller, an der Körpermitte spielen spielen spielen bis zum endgültigen Einschlafen. Am Ausgang der Erschöpfung, jedoch lange vor dem Morgengrauen, wieder wach. Muedtrauer über den hell leuchtenden Monitor gebeugt. Der Monitor ist die Lichtung. Ins Licht starren. What do I love when I love my god?.

 

X. Eintrag – Reisetagebuch vom Montag, 26. August 2013

In glühendheller Lampe sitzt einer an seinem Arbeitstisch,

vertieft und mit feinen Fingern sich hermachend

über meine Datensätze,

einzeln spießt er diese auf, dieser verzückte Präparator, mit spitzen Stahlnadeln und verwendet etwas von dem Spray oder der Flüssigkeit, die sie immer verwenden, weil es das Fell und die Federn und die Schnäbel und die Krallen und irgendwie die ganze Welt glänzen lässt.

Ich bewege mich nicht mehr.

Finde Ruhe.

Bin kein Ziel mehr für Drohnen.

Die Auswertung meiner Daten besagt, es handele sich um den gänzlich richtigen Moment zur Präparation meiner Person,

meines vollständigen Abtötens und Fixierens,

weil ich mich nicht mehr verändere während dieses, meines Lebens und sollte kein zweites folgen nach Wiedergeburt oder Update

Dabei habe ich zu meiner heimlichen Freude an einigen wenigen Punkten meines Datenclusters Ungenauigkeiten entdeckt.

Ich nenne sie Atem. Manchmal.

Nach ihrer maximalen Vergrößerung umfahre ich diese Ungenauigkeiten,

diese Möglichkeiten,

die kleinen Halbinseln erst mit den Fingerspitzen,

male jetzt kleine Figuren darauf,

lasse sie dort wohnen

meine imaginäre Familie,

oder

meine kleine Rebellenarmee,

Heimkommend finde ich meine ausgedruckten Browserverläufe auf dem Küchentisch.

Daneben ein Zettel.

Dein Browserverlauf ist das Ensemble deiner Wünsche.

Das wissen wir seit Deleuze.

Ich jedenfalls bin weg, schreibt da jemand, den ich erinnere an mir.

Was hülfe es, ich berichtete dir von den kleinen Überhängen meiner Datensätze mit unserer gemeinsamen Familie darauf.

Was schon könntest du mit diesem Gedanken anfangen.

Deshalb flehe ich dich an,

vergib mir diese alten Browserverläufe,

verzeih mir dies Wunschensemble.

Ich habe bereits bezahlt,

einen Profi,

einen echten Mathematiker:

Nach der Neujustierung der mich bearbeitenden Algorithmen wird deren neue Konstellation für mich zum re-education camp.

Meine durch Browserverläufe wie Straßen und Gassen und Trampelpfade stolpernden Wünsche sind bald andere.

Re-education camp.

Denke an Ezra in seinem Eisenkäfig.

In Pisa.

Ezra.

So würde ich unseren Sohn nennen.

Ezra in seinem Kinderbett.

Re-education camp.

So etwas wird es hier unten auch geben.

Werde danach suchen.

 

IX. Eintrag – Reisetagebuch vom Donnerstag, 11. Juli 2013

Dunkelheit mit Monitorfleck und Flamme. Flamme löschen. Aufziehen der Spritze, langsam und ehrfurchtsvoll das leuchtende Heroin in die IP-Adresse injizieren. Das ist das Darkweb. Erzählte mal einer, den ich traf bei seinem Laptop und tief in es reingebeugt zwischen Monitor und Tastatur in einem Café in Friedrichshain. Gemerkt hätte er es nicht, waere das Gerät wie Folterinstrument langsam zugeklappt, hätte ihn gefressen; ich brachte ihm Nüsse und Bier. Beinahe hätte er nicht aufgeschaut. Bitte, sagte Mirjam. Dann schaute er. Sagte: danke, und, solche Typen wie ich hängen hier jede Menge rum, sagte er, der sich Designer nennt und jetzt Nüsse schaufelt in seinen Hals und Bier gießt. Was suchst du da unten, fragt Mirjam 2490 deaths in my social network Auch die Ansteckungen, die Epidemien, den Wind, sagte Designer, sagte Deleuze, ich stecke mich an hier, infiziere mich und injiziere alles rein. Was ein Körper vermag, hat bis jetzt noch niemand festgestellt. Totale Immanenz. Wird gefürchtet, weil sie die Götter verschlingt, hat das nicht Derrida gesagt, ohne dass er Google kannte, dieses Verschlingermonster kannte, das alles immanent macht, indexiert den Tisch, den Stuhl, die Katze, die Maus, die Seele bis auf das hier unten. Dies ist die letzte Kirche. Gebete in das Weiß gesprochen, lassen darin einen Gott entstehen, das wäre mal ein Projekt, das rauszufinden oder hinzubekommen. Ja, die Gebete in dieses Weiß gesprochen machen darin einen Gott, das gefällt mir und sofort spreche ich die mir wenigen bekannten Gebete mehrmals gegen das Weiß auf diesem Tablet und sie verschwinden darin, wie ich es mir vorgestellt habe, wow, das ist Metaphysik mit diesem Tablet, weil Metaphysik ist leise und braucht genau dieses Weiß, tut mir leid, ihr Metaphysiker der Jahrhunderte, dass ihr das nicht hattet, dies Weiß und dies Tablet und ihr Metaphysiker der vergangenen Jahrzehnte, dass ihr eure Metaphysik beim Rattern eurer Schreibmaschinen gleich wieder mit dem Lärm zertrümmert habt, wer wollts euch verdenken und es toente wie Ein Regen kam auf Erden vierzig Tage und vierzig Nächte. Hier unten bin ich sicher, nicht einmal das Prasseln dringt rein, keine Konturen werden sichtbar. Es bleibt das geheimnisvolle Weiß, das zunehmend ich lieben werde, ich weiß das. Heilig + verflucht. Homo sacer, der heilige Mensch heißt das, und der verfluchte Mensch heißt das. Im römischen Recht steht er für das nackte Leben, er darf straflos getötet werden, sagen Mirjam und Agamben, wobei sein Tot sinnlos ist, weil er nicht geopfert werden darf. Dies machte ihn gleichzeitig unberührbar. Avatar Sacer. Es gelingt mir jetzt nicht, das zu verstehen. Suche, mich zu befreien. Need 2490 deaths in my social network. Es gibt da eine Maschine, sagte Designer. Tatsaechlich finde ich sie hier am Ende einer der Gassen, umkreise sie, streiche darüber und bestaune wie farbig es hier unten sein kann, wenn es um den Tod geht und besonders, wenn es um den Tod geht, bin entzückt und zögere nicht mehr die web2suicidemachine zu besteigen, es mir bequem zu machen in diesem zauberhaften Gerät, wie gerne würde ich jetzt rauchen, eine drehen und es richtig dampfen lassen, das Zeugs reinziehen bis in die Socken, richtig mal wieder anfangen zu zittern, dieses vegetative Dingsda zum Glühen bringen, weiter noch mich zurücklehnen und entspannen in dieser entzückenden Maschine mit diesem göttlichen Namen web2.0.suicidemachine und nur einen Jim Knopf mitten in der Mitte, dass nix man falschmachen kann. Again singing. Follower, follower du warst mein, wirst wieder jetzt alleine sein. Schon gedrückt, der freundliche Knopf. Die Routine arbeitet alles ab, ist beendet noch bevor mein vegetatives Dingsda sich wieder beruhigt hat. Jetzt bin ich allein. Nein, da kommen schon die Kinder. Großartig.
Logout.
Ab zum Strand….Sommerferien!

VIII. Eintrag – Reisetagebuch vom Dienstag, 11. Juni 2013

Farblos alles hier. Was für ein Weiss das ist.

Kenne es von den Seerosen des Monet und dem Porzellan des Picasso und den blassen Gesichtern der Mäddchen, dieser zerbrechlichen Mäddchen, wunderschön und kränklich, die einem unter der Liebe wegbrechen.
Klingt wie Proust. Lächerlicher Typ mit seiner lächerlichen Frisur auf seiner lachhaften Suche nach der verloreren Zeit steigt Marcel in sein personalisiertes Internet-Loch, fummelt alles raus, sichtet am überdimensionalen Holztisch vor dem Fenster mit der Apfelblüte gigantische Stapel von Druckerpapier mit seinen Browserverläufen, zerzaust diese, schichtet um, kaut auf trockenen Madeleines die ganze Nacht,niemand kann all das lesen, ohne dass einem die Spucke wegbleibt. Eine Zeit bin ich spät schlafen gegangen, sagt Marcel später. Er habe versucht, mit Linien und Tinte Querverweise durch die Verläufe zu erstellen, wundervolle kleine Kunstwerke habe das gebenen, sagt Mirjam, zärtliche Querschnitte durch sein Leben habe das gegeben.

Berührt von den Möglichkeiten der Technik habe er sein WLAN aktiviert, ein kraftvolles WLAN, auf dass die Apfelblüten taumelten.

Auf der Suche nach der verlorenenen Zeit sitzt Marcel mittendrin in seinem WLAN mit all den Daten und Apfelblütenwirrwarr.

Joyce hat Proust Wlan später gehackt,

Beckett hat Joyce Wlan gehackt.

Derrida hat Becketts Wlan gehackt.

Stocherten alle im fremden Geviert, sagt Mirjam, wie der Hacker mit seiner selbstgebastelten und als Regenschirm oder Spazierstock oder Angel getarnten Antenne im der Luft des Parks rumstochert auf der Suche, weil er Eindringling sein will in ein jungfräuliches Netz und Eroberer und sein Gift spritzen will bis jemand sich wehrt.

Finde das hier unten. Lest selbst.

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KRIEGSSZENARIO.

Durchwandern des Hidden Land.

Finde einige Suchmaschinen.
Das Erstellen einer Suchmaschine ist das Zeichnen einer Karte.
Gebe einen Namen ein.

Meinen Namen.

Nein. Niemals.

Gebe einen Namen ein.
Charlie Manson vielleicht. Oder Hitler. Pol Pol, die echten Dauerbrenner des Bösen eben. Eben um das Böse hier unten zu finden.
Viele Ergebnisse. Mein Kampf in 17 Sprachen.

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 Allerlei alte Hüte mit jedermenge Blut, Gas und Gebeinen darunter. Die setze ich mir nicht auf.
Neue Horrortypen wären nicht schlecht. Gibt doch sicher jede Menge davon.
Finde die gehackten Gefängnisdaten von diesem Kinderpornomonster.

Logout.

VII. Eintrag – Reisetagebuch vom Sonnabend, 25. Mai 2013

Habe das hier gefunden.

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Schreibe einen an über TOR.

Einen, der lacht und plaudert, weil er das Leben liebt.

Das Ding hier fliegt besser als jede Drohne, sagt er, der hier unten im Darkweb sitz und geistert lautlos was in sein Tablet rein, lacht hinterher, dass alles in seinem Körper ein wenig lustig zittert, genau wie eine kleine, lustige Information oder ein kleiner lustiger Befehl, sagt Anonymous, sich kichernd durch die Netze um die Welt bewegt, sein Ziel erreicht, eine ip zur Explosion bringt wie Bombe.

Jede ip ist eine Bombe. Das ist doch klar.

Eine nicht zu entschärfende Bombe.

Zündbar vom Scheißhaus mit dem Smartphone.

Das sagt er. Dieser Anonymous.

Die besten Hacker sind mächtiger als dieser Halbschwarze aus den USA, dieser Herr der Drohnen, sagt er.

Werde einen Lehrgang buchen müssen, sagt Mirjam und schaue mich danach um hier unten, das will ich auch können, es kann wahrlich nicht schaden, etwas mächtiger zu sein, sich vorzubereiten, was es auch sein wird, vielleicht werde ich mich mal verteidigen müssen oder angreifen. Muss da wirklich überlegen, sagt Mirjam, ob und wann ich in meinem Leben jemals angegriffen hätte. Verbal vielleicht mal, oder nicht. Eigentlich bin ich ein typischer Verteidigertyp, sagt Mirjam, ja, so ließe ich mich bezeichnen, ein Verteidigertyp.

Hier unten könnte aus mir eine Angreiferin werden. Ohne dass ich dieses Schwierige haben muss, wie heißt das noch, sagte Mirjam, dieses Schwierige, wie heißt das noch.

Ach ja, Mut, heißt das.

Drohnenpiloten leiden aktuellen Studien zur Folge unter ähnlichen und gar selbigen Störungen wie Frontsoldaten.

Aufzählungen der Störungen finden sich heute allerorts.

Hacker leiden keinen Studien zur Folge unter ähnlichen und gar selbigen Störungen wie Frontsoldaten.

Muss an das alte Experiment denken, sagt Mirjam, das fast jeder kennt mit seiner Versuchsanordnung aus Stromschläge-gebenden-Menschen und Stromschläge-empfangenden-Menschen und Stromschläge-befehlenden-Menschen und wie der  Stromschläge-gebende-Mensch immer beeindruckendere Stromschläge verabreicht im Laufe des Stromschlagversuches und seiner Gewöhnung und den nachdrücklicheren Befehlen bis schließlich alles ganz von alleine und ganz prima läuft.

Für mich hieße das, sagt Mirjam: Es beginnt damit, eine ip ausfindig zu machen, sie anzuschauen, etwas nach links und rechts und rundherum zu drehen, in den Händen zu wiegen wie einen kleinen Schatz oder Spatz zu schütteln, zu küssen und auch mal an die Wand zu werfen wie einen Flummi. Eine ip-Adresse hüpft, sagt Anonymous, immer zu einem zurück mit ihren Geodaten.

Nach solchem ersten Kennenlernen kann man doller herumspielen, vielleicht mal ein Abendessen bestellen oder ein kleines Foto oder Musikstück auf dem Desktop des Menschen platzieren, an dessen ihn ernährenden Bauchnabel namens ip man gerade rumfingert.

Dabei ist sowas beim echten Bauchnabel in meinem echten Bauch, fummelt einer dranrum, sagt Mirjam, bereits überaus unangenehm und löst Urängste aus.

Das Theater ist tot.

Das Kino ist tot.

Das Fernsehen ist tot.

Diese Shows sind begraben und flackern unter der Erde für die Wümer noch ein bisschen.

Dies sind die tollen Inszenierungen von heute, sagt Anonymous, speichert einige Höhepunkte der Göttersymphonie auf fremdem Desktop, der nach Abspielen einiger Takte sich nebst allen Daten selbst verschlingt.

Nur die Musik spielt noch…

nur die Musik spielt noch weiter…

Logout.

VI. Eintrag – Reisetagebuch, 17. Mai 2013

 

Lerne JD Junior kennen.

darkweb facebook unior

100.000 Emailadressen kaufen für 5 lumpige $.

Soooo good, allen mal Hallo zu sagen und eine Frage zu stellen, wie Facebook das immer empfiehlt, eine Frage zu stellen, damit sich auch etwas tue auf der eigenen Site, auch jemand antworte, persönliche Dinge einlege in mein Fach und ich gebe immer auch etwas zurück. Automatisiert, versteht sich, schreibt JD Junior, versteht sich.

Jede neuen Nachricht,

jede neue Frage,

ist ein weiterer Beschiss, sagt Mirjam.

Irgendjemand antwortet immer, schreibt JD Junior vor dem Deal, beisst an zum: Eine Welt aus neuen Freunden um ihn herumstellen.

Das macht Spaß, schreibt JD Junior.

Vielleicht teilst du ihnen später mit, dass ihr gesamter Freundeskreis von dir entworfen wurde mit dem Ziel der Steuerung ihres Lebens in eine Liebelei, eine Rangelei, eine Sucht, und Abhängigkeit, ein Welttheater, ein

zeitgenössisches Marionettentheater

es zappelt ohne Schnüre

dafür gibt es ja das WLAN. Sagt JD Junior.
Ich muss denken an den Heiligavatar, sagt Mirjam, auch er muss hier unten und ganz tief unten gewesen sein, der Heiligavatar, wie er mir berichtete von Gottes Outlook, das er hier irgendwo sah und beobachtete für eine Weile mit den Millionen

gesendete Nachrichten (Geburten)

und

eingehenden Nachrichten (Todesfälle).

Sicher, sagt Mirjam, sicher finde ich das jpg dieses Outlook noch. Der Heiligavatar, sagt Mirjam, legte es in den Ordner, der noch heute meinen Namen trägt.

Dort liegt es immer noch.

„Gods Outlook“

godsoutlook

„Das Ding schießt in Bruchteilen von Sekunden Emails hinaus, empfängt solche, drückt sie automatisch fort.

All das kann nur ein Fehler sein, ein im Laufe der Jahrtausende wahnsinnig gewordenes Programm.

„Ausgehende Sendungen“ sind, denke ich,  Geburten.

„Eingehende Sendungen“ sind, denke ich,

Sterbefälle.

Das ist Gott als Verwaltungsbeamter.

Alle „eingehenden Sendungen“ werden automatisch in die für immer „gelöschten Objekte“ verschoben.“

 

In den gesendeten Nachrichten, vor 42 Jahren, findet sich meine Emailadresse. Meine Geburt.

Kippe ich meine Emailadresse in die Senkrechte, ist mein Geschlecht deutlich zu sehen.

 

mirjam@heiligavatar.net

 

oder mein Nabel.

(klickaklick frage ich mich, ob eigentlich mein Kleid aus Software aufweht bei jedem Tastendruck wie das der Monroe und alle drunterstarren können auf die, ich sagte das ja schon, auf die i-Adresse in meiner Mitte, sagt Mirjam, um die alles sich dreht, dieser ip-Bauchnabel zum Aufnehmen von Nahrung und Nahrung und Gift und Gift. )

100.000 gekaufte Emailadressen in die Senkrechte bringen.

Damit wir es wieder mit Menschen zu tun haben.

Erster Schritt der Renaturierung.

Alle stehen sie dann vor mir

@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@

zum Anquatschen, Küssen, Bespucken, Ficken, Erschießen, Aufgaben verteilen, sagt Mirjam, wie es sich seit jeher für die Welt gehört.

 

 

 

Fünfter Eintrag, Reisetagebuch, 8.5.2013

Dies Tablet ist ein Geistergerät.

Ohne Klackern,

ohne Laut;

drüberstreichen.

Wie gemacht für diese Welt.

Der stille Verbrecher mit seiner stillen Waffe verrichtet ein stillen, wohl grausames Verbrechen.

Ja, mit diesem Tablet könnte ich mich anschleichen und umschleichen eine glotzende und auf Daten gierende Eingabemaske, wie wir als Kinder ohne Schuhwerk im nassen Gras an des Nachbarsohnes Haus schlichen und drumrum zum Seitenfenster, als plötzlich es knackte vom trotz aller Vorsicht draufgetretenen Zweig, dann knirschte vom Schotter am Haus, den wir betreten hatten, ihm beinahe dankten, weil die totale Nachtstille Menschen wahnsinnig macht, wie hier unten, sagt Mirjam, hier unten im Darkweb nicht endenden Stille Reisende in den Wahnsinn spült, loggt man sich nicht immer wieder mal aus ganz bis unter den wölbenden Himmel Berlins oder des Heimatdorfes mit seinem Schotterschutz um die Häuser und seinem Knirschen wie in damaliger Nacht, das eine Rettung war wie absichtlich überlautes Atmen in die eigenen Handschalen nachts, damit man nicht irgendwie tot ist.

Vorerst erschrocken von unseren, ihm natürlich bekannten Gesichtern vor seinem Fenster, hatte der Nachbarjunge dieses schließlich doch geöffnet, auf dass wir ihn bestrafen konnten und boxen und durchkitzeln allesamt und von allen Seiten, bis er sich wand und lachte und schrie und eingepullert in unserem Lachen und seiner Pisse zum Liegen kam.

Wie wenig alle technische Welt gemein hat mit aller von mir während Kindheit und Jugend  durchwachsenen Welt.

Wie auch soll ich mich hier zurechtfinden, sagt Mirjam.

Die leere Maske starrt mich aus dem Tablet an.

Ein Exorzist muss kommen.

Austreiben, sagt Mirjam.

Burroughs hätte das hier geliebt.

Zu seiner Zeit war es noch einfach mit der Technik, und einem vom Meister knarzig intonierten

Curse go back! Curse go back!

Towers…open… FIRE!

Technik zu durchdringen.

Heute aber ist dies unmöglich, sagt Mirjam. Niemand durchdringt mehr und Experten sind sich einig: Hier unten wie Taxidriver mal richtig ausmisten, Heroingruben und Kinderpornographie mit Software45ern mal wegknallen, wäre nur möglich um den Preis einer vollständigen Vernichtung des Darbweb.

Tausende Dissidenten ohne Schutzschild.

Maschinengewehre der Milizen ratterten los.

Towers open fire!

Einsackende Körper hört man hier nicht.

Trotzdem kotzt es einen an zu lesen, sagt Mirjam, was wohl ein Hacker aus den Gefängnisunterlagen des ….

Logout.

Durchatmen.

 

 

Vierter Eintrag: Reisetagebuch, Dienstag, 30. April 2013

Wieder ein neuer Eintrag.

Dabei verraten mich diese Einträge.

Jeder kann es hier unten lesen:

It is possible for a writer, who has taken all steps to be technologically anonymous, still to be identified by their writing style.

For example, the UNABOMBER was identified from his writing.

The following is a guideline to writing anonymously.

If thousands of people follow this guideline, then none of them will be identifiable by their writing style.

 

e.g.

Keep the length of noun clusters shorter than three words.

Keep sentence length shorter than twenty words

Separate paragraphs by one clear line with no indenting.

Use short paragraphs, of no more than six sentences, to group related ideas together.

Use the English forms of measures, numbers, money, days, months, years, clock time, and international words; e.g.

Date/Time: 30. April 2013 at 9:00.

 

Womöglich sollte ich dieses ganze Tagebuch selbst nach unten verlegen und rein ins Darkweb.

Oder bisherige Einträge umschreiben nach dem Regelwerk, sagt Mirjam.

Eine kleine Software verfassen mit dem Ziel, sämtlichen Content der Bibliotheken nach diesem Schema zu manipulieren gleich einer Negation der Bibliothek von Babel.

Hacker for hire!

Anonymous rules!

Adamonous rules.

Der Mensch ohne Nabel.

Ohne ip-Bauchnabel in seiner Mitte.

ip – insert patrone.

Klick.

Wann werde ich hier unten erstmalig kriminell.

Wie lange muss ich verweilen, wie oft wiederkehren ins Darkweb, um mal abgesehen von irgendeinem jugendlichen Knacken von Kaugummiautomaten und Zigarettenautomaten und Kondomautomaten und erinnerst du, sagt Mirjam, erinnerst du uns mit dem Bierkasten das Fenster der Bank einwerfen, das es richtig krachte und wir lachten; wie oft muss ich wiederkehren, bis ich wirklich kriminell werden.

Sicher beginnt es mit dem Einrichten einer TOR-Emailadresse. Ist einfach zu bewerkstelligen, sagt Mirjam, kaum schwerer als bei gmx oder irgendeinem dieser Services. Dann könnte ich geheime Nachrichten austauschen. Einfach mal schauen, ob wer antwortet, alle paar Sekunden die Emails abfragen, nichts, das hier ist doch ein Gespinst, sagt Mirjam, wieder nichts und abfragen;

und was wenn plötzlich einer antwortet, ich eine kleine Zeile zurückschreibe, mich vortaste und mit jedem Mouseklick etwas Farbe unter meine Haut schieße nach und nach zu einer mehr als faszinierenden und immerzu noch wachsenden Tätowierung wie sie die Mitglieder von russischen Syndikaten tragen.

Wie oft muss ich an diesen Ort kommen, sagt Mirjam, bis ich endgültig versucht bin, mir im paypal heaven einen gehackten payay-account mit Dollarbalance zu gönnen, eine gefälsche Mastercard für den nächsten Bummel aufundab der Friedrichstraße. Wie viele Menschen tragen tatsächlich eine solche, eine hier unten gehandelte gefälschte Kreditkarte an ihrem Körper.

Mirjam betrachtet die Verweise im Hidden Wiki.

Der Stolen Mac Store ist mit Scam gebrandmarkt. Finger weg. Ok. Der heaven paypal hat ausgezeichnete Bewertungen, ein super Service, ebenso wie die Money Loundry und auch kann sich der Kreditkartenfälscher freuen über den Eintrag: „Been out shopping for 3000 EUR with one of his cards. Excellent!“

Wann könnt ihr auch mich eine Kriminelle nennen.

Mirjam singt das heilige Hackerlied von den criminals…

“This is our world now…

the world of the electron and the switch, the beauty of the baud.

We explore…

and you call us criminals.

We seek after knowledge…

and you call us criminals.

We exist without skin color,

without nationality,

without religious bias…

and you call us criminals.

You build atomic bombs, you wage wars, you murder, cheat, and lie to us and try to make us believe it’s for our own good, yet we’re the criminals.

from The Hacker’s Manifesto”

 

 

Dritter Eintrag: Reisetagebuch, Dienstag, 23. April 2013

Ein Revolutionär, wer hier blinkende Werbung reinprogrammierte.

Popup.

nazis

Pure Europe. Kontakt über fuehrer…..@TOR.com

Popup.

Stolen Mac Store!

 

macstore

 

Popup.

Paypal Heaven

 

heaven

 

Longtime experiences. Today 15% discount.

Popup.

killer

Machen Sie mit: Twittern Sie diese Werbung an ihre Follower und erhalten Sie 10 Bitcoins for free!

Kein Tweet verlässt lebend diese Welt, sagt Mirjam und erinnert den besoffenen Nachbarn ihres Großvaters, den sie als Kind beobachtete wie er Vöglein wegknallte vom Hof bis die Federn aufstiegen aus kleinem roten Matsch. Popup.

Jemand sollte den kleinen Tweets eine Schneise ans Licht hier reinprogrammieren.

Wir erfüllen jeden Auftrag.

(Killing in Europe, 10 % Discount).

Popup.

Darkweb- Programmer for hire.

All dies ist da. Nichts davon springt spektakulär auf. Es ist einfach da.

Eiswelt. Dann wieder die Maske. Eindringen.

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Aus diesem Grund bin ich hier, sagt Mirjam, eindringen und die Maske füllen mit gleich wieder zu vergessenden Fantasianamen und Fantasiazahlen, klickaklick frage ich mich, ob eigentlich mein Kleid aus Software aufweht bei jedem Tastendruck wie das der Monroe und alle drunterstarren können auf die, ich sagte das ja schon, auf die IP-Adresse in meiner Mitte, sagt Mirjam, um die alles sich dreht, dieser IP-Bauchnabel zum Aufnehmen von Nahrung und Nahrung und Gift und Gift.

Bestätigen.

Und die Maske

– leergefegt

erscheint gleich wieder.

Wie feige ich bin, sagt Mirjam. Weil ich mich nicht einfach erhebe und meinen richtigen Namen und meinen richtigen, echten Geburtstag und meine richtige echte Adresse eingebe und „leck mich am Arsch“ und was passierte dann.

Phishing mask: Der alte Mann und das Meer.

Hemingway hätte seinen greisen Fischer heute durch diese Nebelbänke segeln lassen. Die Angelschnur mit Blei tief runter.

Hemingway hätte dem Ding von Maske hier direkt in die Fresse geschossen wie seinen Bären,

seinen Büffeln,

seinen Elefanten,

seinen Vögeln.

Hemingway der Jäger, der das Verhalten der Tiere besser kannte als das eigene.

Werde wie Hemingway mehr lernen müssen über natürliches Verhalten.

Über hiesige Lebensgewohnheiten.

Über Moby Dick schwimmend tief unten im Darkweb und Ahab, dieser einbeinige Google, rotiert mit seinem Holzbein wie ein Wahnsinniger herum kreiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiisched „ICH FINDE DICH“.

Jetzt wieder totenstill. Klackere einige Buchstaben ins Leere. Ein Tablett wäre gut, sagt Mirjam, ich muss lautloser werden wie ein Spion.

Die Maske weicht nicht. Unfähig mich drumrum zu schleichen, den Browser mit den Pfeiltasten rückwärts steuern wie ein Trottel.

Bin ich jetzt bereits verloren.  Darf ich rückwärts mich bewegen oder führt Zurückweichen in eine Enge, wie es all die Tiere in die Enge drängt, die aufhören vorwärts zu flüchten vor ihren Jägern und im Zickzack nach vorne und über eine Savanne ohne ein Zurückweichen, denn das heißt

sterben

im schmaler und schattig werdenden Winkel vom Kopf des Jägers.

Schicke den Browser rückwärts.

Stehe allein und in meinem Kleid vor weißem Monitor und warte wie einst Lili Marleen

auf die Nazis.

bei der Laterne

vor dem großen

TOR.

fuehrer…..@TOR.com

Kein Popup.

Hidden Wiki öffnet erneut.

Für simple Reisende wie mich, sagt Mirjam, ist Hidden Wiki das Zentrum dieser Welt.

Werde es überwinden müssen.

Muss überhaupt gänzlich aufhören, sagt Mirjam, Dinge von einer Mitte her zu denken und von einer Subjektivität und Individualität.

Merke, sagt Mirjam:

Wer keine Spuren hinterlässt, kann kein Subjekt sein.

Merke, sagt Mirjam mit einem Blick auf einen Eintrag im Versteckten Wiki:

Wer hier einen persönlichen und individuellen Schreibstil zu kultivieren versucht, kann nicht überleben. Auch den UnaBomber hat man so erwischt, sagt Mirjam. Das steht hier.

Erkennt man mein Schreiben unter Tausenden, ist dies literarisch eine große Ehre, die Anonymität zerstört es aber vollständig trotz aller schicken Software-Kleidchen. Auch der Bomber trug immer so ein Kleidchen.

Und alle Spione dieser Erde lachen mich aus.

Und meine Lektion 1: Anonymes Schreiben….

 

 

Zweiter Eintrag: Reisetagebuch, Freitag, 12. April 2013

Über Twitter erste Kommentare zu dieser Reise.

Lustig, dies Twitter; lustiges Wort,

lustige Skyline hat es.

Nichts könnte hier unten unangebrachter klingen.

Schaut, dort im Nebel, sagt Mirjam. Eine alte Frau setzt süße kleine Tweets aus und beobachtet ihr Verenden.

Die süßen kleinen Dinger werden wie natürlich angelockt von auf dem HIDDEN WIKI sich rekelnden Sirenen und ihrem

kreischirren

Gesang, Gesang, Gesang:

Follower, Follower, du bist mein, wirst niemals mehr alleine sein.

Das Foto der Monroe mit dem über einem Luftschacht aufbrausenden Kleid.

Ein Foto der Mirjam mit ihrem über diesem Gesang aufbrausenden Kleid aus Software.

In meiner Mitte meine ip-Adresse. Meine Geodaten.

Einer kann kommen entlang der Seidenstraße, gemächlichen Schrittes ein Spaziergang nur mal so, und bis an meine Haustür, anklopfen oder auch nicht, abwarten bis ich öffne oder auch die Tür eintreten.

93 fake Silk Roads to phish your data,

notiert Hidden Wiki.

Meine entwendeter Name auf einem Totenschein.

Meine Ausweisnummer auf vom Auftragskiller am Grenzübergang nach Spanien rausgefingerten Dokumenten,

Spanien, wenn deine Blüten blühn,

denn das wunderschöne Spanien ist es, wo

IGOR THE ASSASSIN

einen getötet wuenscht.

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Tötet man gegen Vorkasse.

Ich weiß nichts übers Töten, obwohl ich täglich davon höre.

Sicher werde ich einen Antwort finden, sagt Mirjam,  liest die Zeilen erneut, bekomme Angst, sagt Mirjam, allein das Wiederlesen töte schon einen irgendwo und auf der Stelle.

Gerade hier unten vergesse ich nicht meine tägliche Zeichnung, sagt Mirjam.

My distance from god (on a daily basis)

auf gekipptem Screenshots mit einem Kugelschreiber

Gott ist auch hier zuhause

wo die Suizidenten sich versammeln.

wo die Drogentoten gemacht werden.

Wo tief in Kinder Leute schauen.

In aufgeklappte Tote.

In ein altes Gesuch im Hidden Wiki:

Wir möchten ein Kind adoptieren. Zahlen gut.

Kontakt-über unsere Tor-Email.

Überglücklich fahren sie später mit einem Baby heim aus dem Osten kommend und über die Grenze hinter ihren lachenden Gesichtern und auf dem Rücksitz in dieser Babyschale das ganze schlafende Glück. Es war teuer, das Glück. Aber es ist endlich da.

Das man ihnen ein schwerstbehindertes Kind verkaufte,

wie hätten sie das ahnen können,

wurde ärztlicherseits festgestellt Monate später.

Wie ein medizinischer Fragebogen,.

eine Eingabemaske, die erscheint auf meinem Weg zur Seidenstraße.

Ein drückendes Gefühl,

nein, Angst,

immer noch

auf der Oberfläche zu gleiten mit meinem Gespensterschiff.

 

 

Erster Eintrag: Reisetagebuch, Montag, 8. April 2013

Wie still es hier ist.

Kein lärmendes Popup. Keine Zauberschau.

Und wie langsam das Tornetzwerk diese Welt macht.

Das Tor-Zeichen ist eine Zwiebel, sieht aber aus, sagt Mirjam, wie eine Bombe. Vielleicht knallt gleich etwas los. Ich weiß es nicht. War niemals zuvor an diesem Ort.

Ich bin Dante, spricht Mirjam. Hier in der Mitte meiner Zeit trete ich ein und durch das TOR. Habe, was ich brauche hier im Caché, das Einfügen einer wirren Buchstabenfolge, sie in die Browserleiste nageln mit einem

Klick. Nichts geschieht.

Wie vor mehr als zehn Jahren in diesem Internetcafé in Calcutta mit dem Geschmack des Chai und der Nelkenzigaretten in der Mundhöhle, eine einzelne Email verschicken, scheiße, jedesmal crashte die Verbindung,

Fehler – Server nicht gefunden“,

nachdem der Browser minutenlang gekämpf hatte.

Dies hier, sagt Mirjam, ist anders und es ist schlimmer, weil während einer unendlichen Minute rein gar nichts geschieht, der Browser dies Weiß zeigt wie ein

Segel

des Gespensterschiffes, auf dem ich, sagt Mirjam, als einzig lebendes Wesen oben am Mast im Ausguck sitze, starrend in diese Nebelbank aus Monitorweiß, gleitend durch dieses Geisterweb mit einer Gänsehaut um mich und unter meinem Kleid aus Software. Wohl bin ich eins von tausenden durch dieses Weiß ziehenden Gespensterschiffen. Nebeneinander, sich niemals berührend, nicht streifend, streichelnd, liebend, kollidierend.

Jetzt zwei Wörter aus dem Weiß wie Riffe,

HIDDEN WIKI

an denen ich anlegen könnte oder stranden, mein Kleid aus Software zerfetzen, meine Daten bloßlegen.

Jetzt bin ich hier, tief unter meinem personalisierten Internet-Loch, hinter dem TOR, wo andere Regeln gelten, mir unbekannte Regeln.

Wer sind die Herren dieser Welt.

Glotzen sie bereits durch mein löchriges Kleid aus Software tief in mich hinein. Schlimmeres werdet ihr hier mit meinen Daten tun, als dieses lächerliche Google es jemals vermag, dieser lächerliche Google-Depp, schaut, sagt Mirjam, wie er oben am Rande des Darkweb steht wie ein Vollidiot, hilflos ins Leere giert. Jetzt schon sehe ich ihn nicht mehr.

 

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